Innere Unruhe – wenn der Körper nicht mehr entspannt

28. Juli 2019

Viele Menschen sind von innerer Unruhe geplagt. Sie kommen mit ihren Aufgaben nicht hinterher und können auch im Urlaub nur schwer abschalten.

Woher dieses Getrieben-sein kommt und wie du nachhaltig zur Ruhe findest, liest du hier.

Leistungsgesellschaft als Grundproblem

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der uns oft vorgelebt und eingeredet wird, dass wir erst gut und wertvoll sind, wenn wir viel leisten oder etwas Bestimmtes erreicht haben. Das wird besonders im Arbeitsalltag deutlich, zeigt sich aber auch im privaten Alltag: Die Termine (der Kinder) häufen sich. Die Anforderungen wachsen. Die Verpflichtungen nehmen zu und die To-Do-Liste wird länger und länger.

Wir haben keine Zeit mehr. Wir funktionieren (und das oft sehr gut), aber leben kaum noch. Für uns selbst ist wenig Platz. Freude weicht dem Frust und Stress. Die Angst, den Herausforderungen nicht gewachsen zu sein, steigt. Wir warten zwischen Hoffnung und Verzweiflung auf bessere Zeiten.

Auf Zeiten, in denen es ruhiger wird.

Auf das Wochenende.

Auf den nächsten Urlaub.

Auf die Rente.

Kennst du das?

Und kennst du auch, dass diese Zeiten – wenn sie denn eintreffen – nicht mal die gewünschte Ruhe bringen?

Das Wochenende ist doch wieder verplant.
Der Urlaub ist doch wieder verschoben oder verkürzt.
Oder – und das ist fast das Schlimmste: Der Körper kommt nicht mehr zur Ruhe, obwohl die Zeit da ist.

Anhaltende innere Unruhe

Anhaltende innere Unruhe ist nichts anderes als Dauerstress.

Unser Körper ist darin bestrebt, im Gleichgewicht zu sein.

Stress ist eine Reaktion auf eine herausfordernde, belastende oder gefährliche Situation. Wenn der Körper merkt, dass eine solche Situation da ist, fährt er sein System hoch: Das Adrenalin steigt. Das Herz schlägt schneller. Die Atmung beschleunigt sich. Die Muskeln spannen sich an. Die Aufmerksamkeit wird fokussiert.

Je nach Typ Mensch und Stressintensität gibt es weitere Symptome wie Nervosität, Zittern, weiche Knie, Übelkeit oder Schwitzen.

Ziel dieser erhöhten Anspannung im Körper ist es, dem Mensch zu helfen, die bedrohliche Situation zu bewältigen.

Es ist wie ein Adrenalin-kick für eine kurzen Sprint.

Wenn die Situation bewältigt ist, fährt der Körper wieder herunter.

Das Problem der heutigen Zeit ist, dass wir unseren Körper in dauernder Alarmbereitschaft halten.

Wir nutzen den Stress nicht in seiner natürlichen Funktion für eine kurzfristig intensive Phase – wie ein Reh, dass beim Gewehrschuss aufhorcht, davon läuft, und nach einigen Metern wieder zur Ruhe kommt. Sondern wir halten das Level der Anspannung permanent aufrecht. Wir „müssen“, „müssen“, „müssen“. Dadurch verlernt unser Körper die Fähigkeit, sich wieder herunterzufahren.

Er bleibt dauerhaft „on“.

Medikamente und Abhängigkeiten

Da die meisten Menschen eine schnelle Veränderung wollen, ohne sich und ihren Alltag zu verändern, greifen sie oft zu Medikamenten, lassen sich eine Kur verschreiben oder werden süchtig nach Sport, Drogen oder Essen – oder jammern über den Status Quo.

Nachhaltig ändern tut sich nichts – wie auch, wenn sie zum gewohnten Alltag zurückkehren wollen – nur eben leistungsstärker?

Das ist ein Paradox in sich.

Die innere Unruhe kommt aus dem Inneren – aus dem Leistungsgedanken – und ist auch nur dort aufzulösen.

Bist du bereit, mit dem Gewohnten zu brechen?

Aus dem Dauerstress auszusteigen bedeutet, aus den Mustern und Überzeugungen auszusteigen, die uns ständig am Rad drehen lassen. Aus dem Glauben, nur dann etwas wert zu sein, wenn wir Höchstleistung abliefern, jeden Trend mitmachen und jede gesellschaftliche Norm erfüllen – unabhängig davon, ob diese uns entsprechen.

Dein Körper zeigt dir deutlich, ob dir guttut, wie du lebst.

Wer bist du, wenn du nichts mehr leistest?

Was brauchst du wirklich, um dich seelisch wie körperlich wohl zu fühlen?

Und bist du bereit, vorübergehenden Widerstand auf dich zu nehmen, wenn du mit deinen Gewohnheiten brichst?

Diese Fragen können ein Anfang sein, um aus dem Hamsterrad auszusteigen und wieder Ruhe einkehren zu lassen.

Wenn der Körper nicht mehr entspannen kann, dann braucht es das Wieder-erlernen von genau dieser Fähigkeit. Die Aktivierung des Vagusnervs. Hierbei können Entspannungstechniken durchaus helfen. Doch auch diese sind nur nachhaltig, wenn auch die innere Überzeugung verschwindet, ohne Leistung nichts wert zu sein.

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